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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Untergang der Götter: Klimax
#1BeitragVerfasst: 20. Dez 2009, 20:31 
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Apollos Gesichtszüge verfinsterten sich bei jedem Wort das sein geflügeltes Gegenüber sprach und er stellte erschrocken fest, wie eine Flut blinden Zorns in ihm aufwallte, die nicht natürlichen Ursprungs sein konnte. Daraufhin musterte der Gott beunruhigt sein Gefolge, welches von der gleichen Regung erfüllt, aber nicht fähig, sie, wie ihr Gott, in Zaum zu halten, seine Pfeile auf die Reise schickte und seine Schwerter zog, um sich mit einem Kampfschrei auf den Lippen auf die Feinde des Apollo zu stürzen. Ismael, selbst ein wenig überrascht vom überwältigenden Erfolg seiner Taktik, schoss selbst wie ein Pfeil auf den ersten Feind zu, passierte dabei fast spielerisch den gegnerischen Beschuss und schlitze ihm in einer eleganten Bewegung zugleich die Bauchdecke und den Hals auf. Der gefallene Engel liess ein irres, grausames Lachen erklingen, als eine Fontäne warmen Blutes sein Gesicht mit den diabolisch blickenden Augen besprenkelte und der aufgeschlitzte Bogenschütze versuchte mit verständnislosem Blick, seine Gedärme an ihrem Platz zu halten, jedoch vergebens, denn dessen geflügelter Feind trat ihm mit voller Wucht ins erbleichende Gesicht und erstickte damit den verlöschenden Lebensfunken. Während sein erstes Opfer leblos vom Kamm des Hügels stürzte, um mit einem grässlichen Knacken auf dem steinharten Boden aufzuprallen, stürzte sich Ismael mit weit ausgebreiteten Flügeln wie ein todbringender Bussard auf sein nächstes Opfer. Er würde jeden dieser mickrigen Frevler zerquetschen, die ihm wie ein Spiegel seines früheren selbst anmuteten, bis in den Tod loyal und dumm genug, auch noch für die Fehler ihres Gottes gerade zu stehen.

Daxicus hatte mit grimmiger Freude den Erfolg des Mönches verfolgt und sogleich, als er spürte, dass die Wut seiner Feinde zu überkochen begann, hatte er die Fähigkeit seines Schwertes Finsternis aktiviert und Medamie fest an seine Brust gepresst, um sie mit seinem Leib vor den Pfeilen abzuschirmen. Während sein Fleisch von den schmerzhaften Pfeilspitzen durchbohrt wurde und sich Schmerz wie ein Schleier um seinen Verstand legte, registrierte ein lebhafter und irrational fröhlicher Teil seines Selbst das heftige Klopfen von Medamies Herzen, die Wärme ihrer weichen Haut und den betörenden Duft, der von ihrem weissen Haar ausging. Ein weitaus rationalerer Teil fragte sich derweil leise, wieso sich keiner der heissen Brandherde des Schmerzens im Rücken des Kriegers gebildet hatte, konnte die Schärfe der Pfeile der Jünger des Apollo doch fast mit der des Gottes selbst konkurrieren. Aufgrund der Sorge um das geliebte Mädchen und den stechenden Wellen der Pein versank dieses Rätsel und seine wahrscheinlich für zukünftige Kämpfe aufschlussreiche Lösung für Daxicus in der Tiefe seines Unterbewusstseins. Als der spitze Metallhagel vorüber war, hob der Krieger seinen Kopf, der sich bleischwer anfühlte, und sondierte die Situation.

Medamie verstand nicht ganz, wieso Ismael ihre Gegner mit seinen Beleidigungen auch noch wütend machen musste, waren sie doch schon ohne wütend zu sein von tödlicher Effizienz, was sie bewiesen hatten, als sie den Geflügelten bei seiner spektakulären Flucht während des Fluges mit ihren Geschossen getroffen hatten. Sie hatte zwar mitbekommen, dass Daxicus dem gefallenen Engel etwas zugeflüstert hatte, doch das Trommelfeuer ihres Herzens und das Rauschen ihres von Adrenalin durchströmten Blutes hatten die Bedeutung der Worte verwischt, und ihre Angst zu sterben wuchs zu einem alptraumhaften Ungeheuer an, dass ihren gesamten Körper in seinen messerscharfen Krallen hatte. Sie sah schärfer, hörte klarer, roch besser und fühlte intensiver, als sie es in ihrem Leben jemals getan hatte und die gesamte Szenerie begann sich wie in Zeitlupe abzuspielen, als die Bogenschützen ihre Pfeile von den Bögen fliegen liessen, wobei Medamie den Eindruck hatte, einen vielstimmigen Chor zurückschnellender Sehnen vernehmen zu können. Dann spürte sie die rauen, schwieligen Hände des Kriegers, die sie zu ihm umdrehten und sie nahm seinen entschlossenen Blick wahr, erkannte die kleinen Fältchen an den Rändern seiner Augen, sah, wie sein Kiefer sich anspannte, während sein Fleisch mit einem für die Assassine pervers lauten Schmatzen, von den Spitzen der ersten Pfeile durchbohrt wurde. Dann engte sich ihr Blickfeld ein, ihr Gesicht wurde gegen Daxicus’ Brustpanzerung gedrückt, wo sie den kräftigen, moschusartigen Körpergeruch des Kriegers aufnahm, und ihre Finger, die der fein geschmiedeten und perfekt sitzenden Panzerung nachfuhren, fühlten die mächtigen, warmen Muskeln unter dem kalten Stahl, obwohl Medamie wusste, dass dies nicht möglich war. Die Wärme, die von ihrem Geliebten ausging, füllte ihren Körper wie ein prasselndes Lagerfeuer in einer kalten Winternacht, liess das Ungeheuer namens Angst zurückweichen und vor einem tief aus der Seele kommenden Wohlbefinden und einer überraschend eintretenden Ruhe in die Knie gehen. Plötzlich sprang die Zeit wieder in ihre normale Bahn und die Sinneseindrücke des Mädchens kehrten zu ihrer ursprünglichen Sensibilität zurück, wobei sie sich nun beinahe taub, blind und gefühllos zugleich fühlte.

Ein beispielloses Massaker spielte sich innerhalb der nächsten Minuten unter den Augen des Apollo ab, der mit seinem aufwallenden Entsetzen über seine närrischen Untergebenen und dem brodelnden Kampfeszorn, der das Werk seines Bruders Ares war, zu kämpfen hatte. Aus einem Reflex hatte er seine Bogenschützen, die sich wie wild gewordene Barbaren von ihren erhöhten Positionen auf den durchlöcherten und wankenden Krieger und das weisshaarige Mädchen stürzen wollten, davor bewahrt, wie reife Früchte auf dem harten Boden aufzuplatzen, doch nun musste er mitansehen, wie seine Gefolgschaft von Daxicus’ Schwertern, dessen Träger sich erstaunlich schnell von den unzähligen Pfeilwunden erholt hatte, aufgeschlitzt, von dem immer wieder herabstürzenden gefallenen Engel ihrer Gliedmassen beraubt oder von Medamie zuerst durch Nadeln ausser Gefecht und dann das Genick gebrochen bekamen. Die Schreie der fallenden Bogenschützen, die zuckenden Gliedmassen, der rote Lebenssaft, all das befleckte die Reinheit des sonst so friedlichen Tals, liess es wüst und korrumpiert erscheinen und der grausige Schrecken dieser Szenerie füllte den Verstand des Gottes der Medizin und der schönen Künste. Er war sich nicht gewohnt, die schreckenserfüllte Realität der Sterblichkeit in dieser Weise mitzuerleben und so verging einige Zeit, in welcher seine Getreuen wie die Fliegen wegstarben, bis Apollo sich fasste, seinen prächtig verzierten Bogen erscheinen liess und einen Pfeil auflegte, wobei er das gewitzt kämpfende Mädchen ins Visier nahm, da sie das leichteste Ziel abgab. Ismael, der sich der Gefahr, in welcher sein Schützling sich befand, sofort bewusst war, nutzte all seine Kraft, teilte einen seiner Feinde vertikal, und schoss in Sekundenbruchteilen auf den verhassten Gott zu, wo er ihm mit einem horizontalen Schlag den arroganten Kopf von den Schultern trennen wollte. Apollo warf sich instinktiv seitlich zu Boden, riss seinen Bogen herum und hatte nun Ismaels Brust vor seiner Pfeilspitze, die er sofort mit zehn seiner Geschosse perforierte, allesamt präzise und unfassbar schnell abgeschossen. Der gefallene Engel keuchte, sein schmerzverzerrtes Gesicht war ein deutliches Anzeichen, für die eindrückliche Wirkung göttlicher Pfeile, und die Wellen des Schmerzes liessen Ismael krachend neben Apollo zu Boden fallen. Der Engel schnappte keuchend nach Luft, die wohlgeformten Füsse des Apollo vor Augen, blanken Hass ins Gesicht geschrieben und obwohl die Pein, welche von seiner Brust aus ging, seine Sinne zu betäuben schien, trieb in das Verlangen nach göttlichem Blut an und er packte den Knöchel Apollos. „Du entkommst mir nicht“, knurrte Ismael grimmig und bekam als Antwort einen wuchtigen Tritt ins Gesicht, der ihn aufstöhnen liess. Apollo schüttelte den gefallenen Engel angewidert ab, er fühlte sich beschmutzt und in ihm keimte den Drang ein Bad zu nehmen auf. Er warf dem Engel einen vernichtenden Blick zu, dann erhob er sich und sondierte die Lage, deren Verlauf immer weniger seinem Willen folgte, sondern katastrophale Ausmasse annahm.

Der Grossteil seiner Anhänger lag in Blutlachen auf dem Boden, bildeten von der erhöhten Position aus gesehen ein grauenerregendes Gemälde, untermalt von disharmonischem Stöhnen, Keuchen, Schmerzensschreien. Dem entsetzten Gott war so, als könnte er die Bewegung des Blutes hören, wie es langsam aus den unzähligen Wunden der Bogenschützen drang, tröpfelte, rann und er wandte übersättigt von all dem menschenverachtenden Tod den Kopf ab. Derweil entledigten sich Daxicus und Medamie der restlichen Feinde, wobei der Krieger das Mädchen nach und nach immer mehr beschützen musste, da ihre Kräfte, eher für einen Hinterhalt und schnelles, gezieltes Töten ausgebildet, nachliessen. Sie schenkte ihm ein dankbares, erschöpftes Lächeln, das in diesem Gelage der exzessiven Gewalt und Auslöschung seltsam Fehl am Platz wirkte, seine Wirkung aber trotzdem nicht verfehlte. Die Scharlachrote Bestie, ihrem Namen alle Ehre machend, war über und über mit dem roten Lebenssaft seiner Feinde bespritzt und gerade dabei einem heranstürmenden Feind seine Klinge in den Wanst zu rammen, als er aus dem Augenwinkel etwas Goldenes, überirdisch Schnelles vorbeizischen sah. Er trat den Bogenschützen von seiner Klinge, drehte seinen Kopf ruckartig nach rechts und seine Augen weiteten sich vor Schrecken, als er entdeckte, welches Geschoss ihn passiert hatte. Der Krieger schritt langsam und immer noch perplex auf Medamie zu, deren überraschtes Gesicht sich ihrem Geliebten zu wandte, die plötzlich roten, klebrigen Hände um den Schaft eines Pfeils gelegt, dessen Spitze sich in ihren Bauch gebohrt hatte. Ihr Erstaunen wich langsam dem Entsetzen und Schmerz, während sie torkelnd versuchte, den Mann zu erreichen, dem sie überall hin folgen würde. Der Schmerz gewann mit jedem Schritt an Intensität, die Ränder ihres Blickfeldes verschwammen, einzelne Gestalten begannen Schlieren zu ziehen und doch kämpfte das Mädchen gegen die herannahende, unvermeidbare Bewusstlosigkeit an. „Mein....Herz“, lautlos formte ihr Mund diese Worte, während tausend Bilder durch ihren Verstand strömten, manche waren Erinnerungen, in welchen sie mit Daxicus zusammen war, andere Wunschträume, doch sie alle schienen ihr die letzten Augenblicke ihres Lebens noch versüssen zu wollen, schenkten ihr Momente, deren Besonderheit ihr Wärme gaben, obwohl ihr Körper langsam erkaltete. Nach einer Ewigkeit, so schien es ihr, erreichte sie ihren Beschützer, das einzige Wesen, in dessen Arme sie hätte sterben wollen, wenn sie es hätte aussuchen können. Sie tastete nach seinem Gesicht, wollte zum letzten Mal die rauhe Haut, die Bartstoppeln und die kräftigen Wangenknochen fühlen und verfluchte ihre Finger, die langsam begannen taub zu werden. „Lass... mich niemals...allein“, hauchte sie und obwohl einem Teil ihres Wesen klar war, dass sie nun von ihm gehen musste, rebellierte ein anderer Teil vehement, lehnte sich mit gerechtem, flammenden Zorn auf, inspiriert von Daxicus Sturheit niemals aufzugeben. „Ich werde nicht sterben! Ich WILL nicht sterben!! Er braucht mich!!!“, die Vehemenz dieser Worte, vor allem der Letzten, deren Wahrheitsgehalt in den Augen ihres Geliebten lag, durchschlug die resignierende Schale, die sich um Medamie gelegt hatte und liess sie gegen den eisigen Griff des grimmigen Sensenmannes mit erhobenem Haupt und von Zorn entflammt antreten.

Daxicus’ Welt erbebte, als das geschwächte und dem Tode nahe Mädchen in seine Arme fiel. Das sonst so lebendig wirkende Rot ihrer Haut wurde unansehnlich stumpf, die blauen Augen verloren ihre herrliche Jugend und Vitalität und beispiellose Wut, einem Feuerinferno gleich, entflammte in seiner Seele, doch erreichte niemals sein Herz, dessen Trauer und Schmerz das Fegefeuer des Zorns mit einem wegwerfenden Bewegung zum Verlöschen brachte. „Nein“, keuchte der Krieger und seine Furcht, Medamie zu verlieren, liess sie immer leichter werden, als verlöre sie spürbar mit jeder Sekunde einen Teil ihrer Lebenskraft, ihre Bewegungen erschienen ihm immer fahriger. Zittrig nahm er ihre Hand, die sich seinem Gesicht näherte, drückte sie sanft und stumme Tränen des Leids suchten sich ihren Weg über das vernarbte Gesicht der berüchtigten Scharlachroten Bestie. „Lass... mich niemals...allein“, die gehauchten Worte drangen wie Messerstiche in das Zentrum seiner Seele, wo noch nie eine andere Klinge gewesen war und der silberne Baum auf der Insel mitten im Meer des Zorns verwelkte, eine trauernde Serenade singend. Ein markerschütternder Schrei der Wut füllte das gesamte Tal aus, liess die Bäume ihre Blätter verlieren und den Wind inne halten. Der Krieger, in dessen Armen sein Lebensgrund dahinschwand, achtete nicht weiter darauf, denn Medamie war nur seinetwegen gestorben, wegen seines Krieges gegen die Götter, weil er sie nicht hatte beschützen können. Daxicus näherte sich langsam Medamies Gesicht, drückte seine Stirn gegen ihre und fühlte den kalten Schweiss, welcher den nahenden Tod begleitete. Das Tal verblasste zu einem Gemisch aus verbleichenden Farben und nur Medamie blieb echt, ihr Körper blieb messerscharf, und Daxcicus hörte eine liebliche Frauenstimme in die Serenade seines Herzens einstimmen, deren durchdringender Klang seine Menschlichkeit zu zerbrechen drohte. Verwirrt versuchte er die Quelle der zweiten Stimme auszumachen, die ihm so wirklich erschien und nicht zu seiner bröckelnden Innenwelt gehörte, und er fand sie in seinem Schwert. Finsternis schimmerte violett, kleine silberne Farbflecken zogen wie Sternschnuppen über ihre Klinge, welche Daxicus achtlos in die Erde gerammt hatte. Es schien als leide seine treue Kampfgefährtin mit ihrem gebrochenen Besitzer, trauere ebenso um den Verlust des Mädchens, als wäre es eine neugewonnene Tochter und der Schlächter von Theben spürte eine Verbundenheit, die über die Macht der Urgewalt hinaus ging. Rote Schwaden lösten sich von dem Schwert, leckten suchend über Daxicus’ Arm, schenkten ihm ein gehauchtes Mitgefühl, wie eine sanfte Brise, und schwebte dann über Medamies sterbenden Leib, der sich immer wieder schüttelte, als würde ein Teil davon mit aller Macht gegen einen unerwünschten Eindringling kämpfen. Was nun geschah erschien dem Krieger wie ein Wunder, ein herrliches, alles überragendes Wunder, denn Finsternis heilende Schwaden drangen in die Wunde des Pfeils ein und begannen sie zu schliessen. Mit einem Ruck brach Daxicus den Schaft ab und riss die Spitze heraus, damit die Wunde sich komplett schliessen konnte.

Ismael versuchte aus den Fängen der Benommenheit zu befreien, welche ihm der Tritt des Gottes eingebracht hatte und gleichzeitig die überwältigenden Schmerzen zu ignorieren, die seine durchlöcherte Brust in turmhohen Wellen an seinen Verstand sandte. Er wusste zwar, dass die Regeneration langsam einsetzen würde, doch er befürchtete, dass diese Pfeile keine normalen Wunden hinterlassen hatten, und nur mühsam gelang es ihm, sich auf seine Ellbogen aufzustützen. Er stellte grimmig zufrieden fest, dass eigentlich alle Lakaien des Schönlings nicht mehr unter den Lebenden weilten und dann hob er seinen Blick, um den Gott wieder ins Visier zu nehmen. Dieser Bastard hatte seinen Bogen schon wieder erhoben, doch dieses Mal konnte Ismael sich nicht schnell genug bewegen, um ihn aufzuhalten, und mit einem verzweifelten Aufschrei, denn der gefallene Engel hatte erkannt, was Apollo vorhatte, schwang er sein Schwert in einer ausladenden Bewegung und trennte den linken Fuss des Gottes von seinem Bein. Ein verdutzter Ausdruck ging über dessen Gesicht, dann kam der Schmerz, doch er liess seinen Pfeil trotzdem fliegen, dessen Genauigkeit hatte jedoch rapide abgenommen und, anstatt dass Medamies Herz durchbohrt wurde, schlug er in ihrem Bauch ein. Ismael erbebte vor Zorn und vor allem vor Schmerz, denn das Band zu Medamie erzitterte gepeinigt, und der gefallene Engel fühlte förmlich, wie sich ihre Lebensspanne urplötzlich immens verkürzt hatte. Ismael schrie all seine Wut, seine Existenzangst und seine Trauer hinaus. Dieser Aufschrei drang durch das einst so friedliche Tal wie ein geschliffenes Messer durch zartes Lammfleisch, erschütterte die Felswände in ihren Grundfesten und fegte wie ein Sturmwind über die Bäume. Vergessen war der Schmerz, vergessen die Benommenheit, die Welt erschien in nie dagewesener Klarheit, die Ursache für all den Schmerz, für all die Ungerechtigkeit, lag vor ihm, wandte sich keuchend und nach Luft japsend auf dem Boden und der Geflügelte kam mit all seiner Grausamkeit über den Gott, dessen schmerzverzerrte Augen zu panischer Angst wechselten, als ihm bewusst wurde, in welcher Gefahr er schwebte. Ismael packte den Gott am Schopf, riss ihn hoch ihn prügelte mit seiner Faust auf ihn ein, jeder Hieb mit voller Wucht geführt, angetrieben von dem Hass und dem Verlangen nach Vergeltung, für das ausgelöschte Leben eines unschuldigen Mädchens, seines Schützlings. Apollo versuchte sich zu Beginn zu wehren, doch jeder Treffer zerschmetterte seine Gegenwehr, bis er sich resignierend seinem Peiniger ergab, dessen Tortur noch lange nicht beendet war. Der gefallene Engel warf den Gott verächtlich von der Plattform, liess seine Schwerter in seinen Händen erscheinen und breitete majestätisch die Flügel aus. Die Wunden hatten sich geschlossen, seine Gestalt glich nun mehr dem erschreckenden Erscheinen eines Rachedämons, als dem eines ehemaligen Dieners des Lichts. Seine Aura strahlte Düsternis und tiefschwarzen Zorn aus, die Luft selbst erzitterte vor der Präsenz, die sich zu manifestieren begann, und ohne weitere Regung schoss er auf den fallenden Gott zu, spiesste ihn von unten mit seiner rechten Klinge auf und rammte ihn, wie ein Fleisch am Spiess, gegen eine steil abfallende Wand des Tales. Er drehte sein Schwert genüsslich im Uhrzeigersinn, wobei er Apollo an Ort und Stelle hielt, so dass die Klinge sich knirschend im Fels bewegte. „Wie fühlt es sich an, durchbohrt zu werden und völlig hilflos zu sein?“, fragte Ismael leise und hämisch, liess das Schwert los und spürte dann, wie ihn seine Kräfte zu verlassen begannen, da Medamie an der Schwelle des Todes stand. „Nicht jetzt, nicht bevor ich ihn..“, dachte er zerknirscht und wollte auch sein zweites Schwert in den Leib des Gottes rammen, doch er hatte nur schon Mühe sich in der Luft zu halten. Er drehte sich zu dem Mädchen um, sein Atem ging schleppend, auch bei ihm zeigten sich die Merkmale seines bevorstehenden Todes und er Wunsch bei Medamie zu sein wurde immer stärker. Er wollte ihre Seele geleiten, so weit es ihm möglich war, selbst wenn er dabei gegen die Mächte Gottes antreten musste. Mit fahriger werdenden Flügelschlägen manövrierte er sich in Medamies Richtung, sein Blickfeld begann dunkler zu werden und verzweifelt versuchte er seinen trägen Körper voran zu treiben. „Warte auf mich“, stöhnte er, eine Hand nach Medamie ausgestreckt, als könnte er die restliche Distanz durch seine Armlänge überwinden und nach dem zerbrechlichen Körper seines Schützlings greifen. Er fiel auf die Knie. Seine Beine versagten ihm ihren Dienst und er betrachtete das paradoxe Bild, welches sich ihm bot. Der mächtige Krieger, Bezwinger von Armeen und Monstern, besiegt und in die Knie gezwungen von einem schmächtigen Mädchen. Ismael lächelte müde und mit einer gewissen Melancholie. So würde es also enden, zu Fall gebracht von einem Poeten.

Plötzlich spürte der Geflügelte, wie die Kraft zurück kehrte, wie sich das Band zu seinem Schützling festigte und verwirrt verfolgte er, wie Medamie sich erhob, ebenfalls ein wenig überrascht blinzelte und dann von Daxicus stürmisch umarmt wurde. Wieso lebte sie noch? Was war geschehen? Die Fragen überschlugen sich, während Ismael sich erhob und ein Feuerwerk des Glücks und der Dankbarkeit in ihm startete, dessen überwältigende Wirkung sich im Glänzen seiner Augen und dem Zittern seiner Hände manifestierte. Medamie lebte! Er lebte! Aber auch Apollo lebte noch. Er drehte sich um, den Mund zu einem wölfischen Grinsen verzogen und stapfte auf den gepfählten Gott zu, der wegen seiner Unsterblichkeit noch nicht das Zeitliche gesegnet hatte. „Es wird Zeit zu beenden, was ich angefangen habe!“ Ismael lechzte nach Genugtuung und er flog wieder auf Apollo zu, der versucht hatte, sich selbst aus der Wand zu befreien, in dem er das Schwert hin und her bewegte, um es so zu lockern. „Nicht doch, mein Freund“, höhnte der Geflügelte und schob die Klinge seines Schwertes mit der Fussspitze tiefer in den Fels, „du willst doch die spektakuläre Hinrichtung, die heute so ausladend angepriesen wurde, nicht verpassen.“ Unter ihm kamen auch Daxicus und Medamie näher.
Das Mädchen hatte sich verändert, ihre Haltung war aufrechter, Stolz zeigte sich in ihren Zügen und Daxicus hatte seine Hand auf ihre Schulter gelegt, auch sein Blick sprach von ehrlicher Zuneigung und Freude, dass das Mädchen überlebt hatte. „Mein hochverehrtes Publikum, was sollen wir mit diesem Abschaum machen?“, erkundigte sich Ismael und mimte dabei den Marktschreier, der seine Ware anbot. „Bring ihn her, lass mich ihn töten!“, rief Medamie mit schneidender Stimme, was sowohl Daxicus als auch den fliegenden, gefallenen Engel erstaunte, doch dieser tat, wie ihm geheissen, riss sein Schwert aus dem Fels und liess den Gott vor Medamies Füsse fallen. Mit einem hässlichen Knacken schlug Apollo auf dem Boden auf, die Glieder sonderbar vom Körper abstehend, aber immer noch bei Bewusstsein und am Leben. Medamie ging mit entschlossenen Schritten auf ihn zu, ein Kurzschwert, welches sie einem der Bogenschützen abgenommen hatte, in der rechten Hand und die Augen voller Tötungsdrang. Sie würde diesem Bastard und auch ihrem Geliebten zeigen, dass sie aus härterem Holz geschnitten war, als alle dachten, obwohl sie sich immer noch wunderte, wie sie den tödlichen Pfeil überlebt hatte, zumal er von einem Gott stammte. Daxicus’ Blick folgte dem Mädchen bewundernd, sie hatte den Kampfgeist seiner Anima, doch ihm war nun völlig klar, dass sie niemals nur den Platz seiner Tochter einnehmen würde, sondern mehr für ihn war. Der Baum der Hoffnung strahlte in der ehemaligen Dunkelheit von Daxicus’ Seele, zeichnete Gemälde einer hoffnungsvollen Zukunft an die Innenwände und zum ersten Mal seit einer langen Zeit, fühlte Daxicus die berauschende Wirkung von unverfälschter, reiner Zuneigung in seiner Brust. Er nickte dem gefallenen Engel, einem weiteren Kampfgefährten, zu, der sich zu ihm gesellt hatte.
Ismael erkannte den Krieger nicht wieder, die Ausdrücke in dessen Augen waren völlig unberührt von Zorn oder Hass, er schien wirklich mehr für Medamie zu empfinden, als der Geflügelte jemals gedacht hätte. Medamie hatte sich nun vor dem geschundenen Apollo positioniert, packte ihn am Kragen seines Gewandes und stemmte ihn auf die Knie. „Du sollst büssen“, zischte sie ihm zu, hob ihr neues Schwert und mit einem Schrei rammte sie es ihm seitlich zwischen Kopf und Schulter in den Hals, was zu einer Fontäne aus goldenem Blut führte, welche aus der Wunde schoss. Medamie fühlte, wie grimmige Freude in ihr aufstieg und drehte gerade um, damit sie Daxicus ihr schönstes Lächeln zeigen konnte, als dieser und auch Ismael, mit beiden Schwertern in der Hand, an ihr vorbei schossen. Sie wirbelte erschrocken herum, um wich dann hastig zurück, denn nur eine Handbreite von ihr entfernt befand sich die immer noch in goldenem Blut getränkte Klingenspitze des Schwertes, welches sie selber benutzt hatte. Apollo hatte sich das Schwert in einem letzten Aufbäumen selber aus dem Hals gezogen und versucht es dem Mädchen in den Rücken zu rammen. Nun steckten vier Schwerter im Körper des Übeltäters, seine Augen zeigten einen Ausdruck blanken Entsetzens, gemischt mit reiner Verblüffung, und sein Körper erschlaffte vollends. Daxicus zog seine Klingen als Erster heraus, Finsternis glühte für kurze Zeit golden, und legte sie an seinen Rücken an, während Ismael es sich nicht nehmen liess, Apollos Kopf vom Rumpf zu trennen und unter seinen Fusssohlen zu zertreten. Medamie zitterte, denn ihr war klar geworden, dass sie ein weiteres Mal kurz vor dem Tod gestanden hatte und schmiegte sich dankbar an Daxicus’ Körper, der sie in den Arm nahm und ihr einen gehauchten Kuss auf den Kopf gab. Ismael vollführte eine ruckartige Bewegung, um das Blut seiner Feinde von den Klingen seiner Feinde zu entfernen und steckte sie dann zurück in ihre Scheiden. Er war besorgt, denn sie waren Apollo zwar nun los, aber hatten sich durch dessen Tod den Zorn des gesamten Olymp aufgeladen, und zwar auf die gesamte Gruppe. „Sieh mal nach, wie wir aus diesem Tal hinaus kommen“, bat der Krieger Ismael und dieser betrachtete den Sprecher zuerst eine Weile, da er immer noch nicht glauben konnte, dass die Scharlachrote Bestie sie nun als gleichwertig ansah, und nickte dann. Medamie löste sich derweil von ihrem Herz, da eine unbekannte Hitze in ihr aufgestiegen war, von der sie nicht wollte, dass der Krieger sie bemerkte. Trotzdem blieb sie in seiner Nähe und genoss eines seiner seltenen, aber immer öfter auftauchenden Lächeln, welches seine Gesichtszüge weicher und anziehender machten. In Daxicus verschaffte sich der kriegerische Teil wieder Gehör, denn es galt, aus diesem Hexenkessel, der sich schnell zu einer tödlichen Falle entwickeln konnte, zu entkommen. Er sah Ismael kommen, das Gesicht von Sorge gezeichnet und bevor er fragen konnte, wie ihre Situation aussah, erklang der gedehnte Klang eines Signalhorns, dessen Urheber Daxicus nur zu gut kannte. Medamie zuckte erschrocken zusammen, als sie den Ton vernahm, denn er war so unheilverkündend, dass ein Schauer durch ihren Körper ging. Er rief nach Krieg, nach Zerstörung und alle die ihn hörten zu den Waffen. Mussten sie noch mehr Schlachten schlagen? Würde es denn nie enden? Warum konnten die Götter nicht einsehen, dass sie ihrem Geliebten nicht gewachsen waren, dass niemand ihm gewachsen war? Sie presste ihre Lippen zusammen, da ihr die Antworten auf die Fragen eigentlich klar waren. Sie blickte in Daxicus’ nachdenkliches Gesicht und ertappte sich dabei, wie sie mit den Augen den Linien seiner unzähligen kleinen Narben nachfuhr. Daxicus fasste ihren Blick als Frage auf und er erklärte ihr, dass das die Hörner von Ares’ Armee waren, diese jedoch unmöglich in der Lage wäre, das gesamte Tal zu umstellen, sie also immer noch ohne Kampf entkommen konnten. Ismael landete neben ihnen, sein Blick ruhte zuerst auf Medamie. Sie war geschickt und gewandt, doch ihre engstirnigen Entscheide, wenn es um den Krieger ging, würden sie nur noch weiter in Gefahr bringen, vor allem in ihrer derzeitigen Situation. Er schüttelte leicht den Kopf uns sagte: „Da sind unzählige Feuer um das Tal herum und wo keine Feuer sind, konnte ich das blasse Glühen untoter Krieger erkennen. Ausserdem waren da noch..“ Ein gewaltiges Röhren erklang aus der Umgebung, gefolgt von zwei weiteren Wesen, die in diesen Ruf einfielen und Daxicus zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Die Legion des Hades ist also auch hier“, grummelte er, denn nun konnten sie nicht mehr von diesem Ort fliehen, sie waren Gefangene der Götter und mussten ausharren, bis diese ihren Zug machten. Ismael nickte und legte beruhigend seine Hand auf Medamies Schulter, deren Gesicht tiefste Sorge und auch Angst ausdrückte, denn anders als ihre Beschützer, stand sie diesem vereinten Heer völlig hilflos gegenüber. „Kannst du Medamie von hier wegbringen?“, richtete Daxicus seine Frage an den Geflügelten, der ihn lange betrachtete, bevor er erwiderte: „Natürlich.“ „Nein!“, rief die Assassinin entsetzt, „Ich werde hier bei Daxicus bleiben und...und... und.. ihm helfen!“ Um ihren Standpunkt zu verdeutlichen, brachte sie so viel Abstand zwischen sich und Ismael, wie es nur ging, ohne Daxicus Nähe zu verlassen. Der Krieger lächelte, stolz auf Medamies Reaktion, doch dann verblasste sein Lächeln und er hob Medamies Kinn, so dass sie ihn ansah. „Hör mir zu“, flüsterte er ihr sanft zu, „ich habe dich heute schon einmal fast verloren und es hat mir das Herz gebrochen. Ein weiteres Mal halte ich diesen Schmerz nicht aus.“ Medamies Augen füllten sich mit Tränen, Tränen der Trauer und des Trotzes. „Wieso?! Wieso tust du das?! Wieso rettest du mein Leben und verscheuchst mich dann, wenn ich deines retten könnte?! Lass mich bei dir bleiben!“, schrie sie den Krieger an und begann zu schluchzen, während sie sich an Daxicus klammerte. Ismael schüttelte nur bedauernd den Kopf. Er hatte gewusst, dass dieser Moment kommen würde, bei dem destruktiven Pfad, den der Krieger beschritt, war es nur natürlich, dass er so lange alleine gereist war. Nun wo er Reisegefährten hatte, zog der Strudel zerstörerischer Energie, der Daxicus darzustellen schien, auch diese in Mitleidschaft. Doch die Wunden, die er diesem Mädchen zugefügt hatte, waren schlimmer als jegliche Zerstörungen des Schlächters von Theben oder der Scharlachroten Bestie, und Ismael warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, der dieser mit einem Kopfschütteln quittierte. Wieder hauchte Daxicus Medamie einen Kuss auf den Kopf, dann schob er sie von sich weg und legte seine Hand an ihre Wange. „Ich werde dich niemals vergessen, selbst wenn ich in den dunkelsten Tiefen des Tartarus angekettet werden sollte“, versprach er ihr und erhob sich dann zu seiner vollen Grösse. Medamie folgte ihm mit den Augen, der Körper zuckte noch immer wegen der Schluchzer, doch sie begann, sich zusammenzureissen, und die Sicherheit, das ihr Krieger zu ihr zurückkehren oder sie ihn finden würde, in ihrem Herzen aufzubewahren. „Auch ich werde dich niemals vergessen und dich finden“, erwiderte sie sein Versprechen mit fester, zu allem entschlossener Stimme, was ihm ein weiteres Lächeln entlockte. Ismael legte seine beiden Hände trostspendend auf Meamies Schultern und tauschte mit Daxicus einen wissenden Blick aus. Ihnen beiden war klar, dass selbst er eine Schlacht gegen eine solche Übermacht verlieren würde, und so nickten sie sich zum Abschied nur zu. „Gib auf sie acht“, murmelte der Krieger, während er zusah, wie Ismael mit weit ausgebreiteten Schwingen das Mädchen aus dem Tal brachte, und mit ihm ein Teil von Daxicus Seele davon zog. Niemals würde er sich wieder so glücklich fühlen, wie zu dem Moment, wo er die wieder zum Leben erwachte Medamie umarmt, ihren Herzschlag gefühlt, ihren betörenden Duft gerochen und ihre liebliche Stimme vernommen hatte. Eine Schlacht wartete nun auf ihn, wahrscheinlich die Letzte, doch er war ruhig, keinerlei Aufregung, nicht einmal Vorfreude, sondern nur gelassene Entschlossenheit so viele Feinde wie möglich mit in den Tod zu reissen und so wenig wie möglich von ihm selbst übrig zu lassen, damit Götter des Olymp kein weiteres Mal ihre Macht in einem pompösen Spektakel zelebrieren konnten.

Die gesamte Nacht lauschte der Krieger, wartete auf ein Angriffssignal, harrte aus, um das Getrampel unzähliger Füsse und das Röhren der Minotauren zu hören, doch die Stille der Nacht wurde nicht gestört und so legte er sich unter einen Baum, der ihm so wundervoll bekannt vorkam und sein rastloses Gemüt noch weiter zu beruhigen schien.
Im Olymp war auch eine Stille eingetreten, die jedoch nicht friedlicher Natur war, sondern von immenser Trauer stammte, denn Zeus weinte um seinen Sohn Apollo. Er trauerte die gesamte Nacht, liess die Sterne ihre hellen Gewänder verdunkeln, während die anderen Götter ihn mieden, da sein Gemütszustand blitzschnell in rasende Wut umschlagen konnte. Sie besprachen, was zu tun sei, denn durch den Tod eines hohen Olympiers war ihre Weltvorstellung erschüttert worden. Während Daxicus sich Ruhe gönnte, flogen Ismael und Medamie lautlos über die feindlichen Armeen, wo die Assassinin erst richtig begriff, in welcher katastrophalen Gefahr sie sich befunden hätte, wenn sie bei ihrem Geliebten geblieben wäre, denn unter ihr reihten sich Zelte an Zelte und Feuer an Feuer, wie ein riesiger Glühwürmchenteppich und ihre Sorge um das Schicksal des Kriegers wuchs mit jedem Meter, den sie über dem gewaltigen Heer hinter sich brachten. Sie hob ihren Kopf, um ihren Beschützer anzublicken und erschrak, als sie keinen Funken Zuversicht in dessen Blick erkannte, sondern er seinen sogar von ihr abwandte. Ranken des Zweifels schnürten sich um ihre Brust, das Atmen fiel ihr schwerer und sie malte sich die grausamen Bestrafungen aus, welche die Götter an Daxicus durchführen würden. Wieder kamen Tränen in ihr hoch und sie begann sich in Ismaels Griff zu winden. „Bring mich zurück!“, forderte sie aufgebracht und mit tränenerstickter Stimme, doch der Geflügelte verstärkte als Antwort nur seinen Griff und beschleunigte. Ihm zerriss es das Herz, dass das Mädchen dieses Leid durchleben musste und obwohl seine Schwerter ihn diesbezüglich hätten empfindungslos machen sollen, spürte er durch das Band den seelischen Schmerz seines Schützlings. „Lass mich runter! Ich muss, er braucht mich! Wir können ihn doch nicht alleine lassen!“ Medamie begann hysterisch zu schreien und Ismael wusste, dass sie nicht aufhören würde, solange sie in der Luft waren, weswegen er einen geschützten Ort suchte und sich dorthin begab. Sobald sie gelandet waren, entwand sich die Assassinin aus seinem Griff und stürmte kopflos in die Richtung, wo sie Daxicus vermutete. Ismael seufzte verärgert, denn langsam begann sie ihn nerven, und holte sie innerhalb weniger Augenblicke ein. „Wem wäre geholfen, wenn du zu ihm eilst?!“, knurrte er Medamie wütend an, wobei er sie gnadenlos am Arm packte. „Ich... Du könntest ihm beistehen!“, antwortete sie ebenso wütend und versuchte sich aus dem schmerzhaften Griff zu befreien, „Bring ihn ebenso wie mich hierher! So können wir fliehen!“ Ismael betrachtete das Mädchen entsetzt und schüttelte dann energisch den Kopf. Was dachte sie eigentlich? Dass die Armee ihr Hauptziel einfach ziehen lassen würde? Dass die Götter nicht merkten, wenn Daxicus über den Köpfen ihrer Soldaten hinweg floh? „Er wird nicht fliehen und ihr auch nicht“, erklang eine melodiöse Stimme hinter dem gefallenen Engel, worauf sich dieser kampfbereit herumdrehte, Medamie an sich drückend und ein Schwert gezogen. „DU!“, rief Ismael überrascht aus und sein gesamter Körper begann vor Wut zu beben. „Ja, mein kleiner Hampelmann, deine Bettgespielin kehrt zu dir zurück“, spottete Aphrodite und ihre Augen blitzten verächtlich. Es brodelte in Ismaels, die gesamte Wut und Verzweiflung wallte in ihm auf, das Biest, welchem er seine Odysse zu verdanken hatte, stand nun vor ihm und praktischerweise hatte sie weder Wächter noch sonstigen Schutz dabei. „Dein Tod heisst Ismael!“, brüllte der Geflügelte und preschte mit gezogenen Schwertern auf die Göttin der Liebe zu. Diese streckte ihm mit einer ruckartigen Bewegung ihre Handfläche entgegen, worauf ein Sturmböe den Angriff des gefallenen Engels stoppte und Medamie nach hinten katapultierte, wo sie sich wuchtig den Kopf anschlug und regungslos liegen blieb.
„Na na na, behandelt man so die Mutter seines Kindes“, sagte Aphrodite tadelnd und streichelte mit den Händen ihren Bauch, der schon eine kleine Wölbung vermuten liess. Ismael fiel aus allen Wolken, sein Erstaunen war nicht in Worte zufassen und er liess beide Schwerter zeitgleich fallen. „M..mei....mein“, stammelte er, die Augen weit aufgerissen und auf den Bauch der Göttin gerichtet. Der brennende Hass stiess auf die beruhigende Wirkung der Vaterliebe und verlor den ungleichen Kampf haushoch. Niemals hätte Ismael gedacht, dass er ein Kind haben würde, es war auch undenkbar, schliesslich war er stets ein Engel gewesen! Nein, nicht immer, korrigierte er sich selbst, Gott hatte ihm zu Beginn seiner Reise alle Eigenschaften eines Menschen gegeben und dadurch war es ihm möglich geworden, ein Kind zu zeugen. „Ist es nicht schändlich?“, unterbrach Aphrodite die Gedankengänge ihres Gegenüber und verzog dabei angewidert ihre Mine. „Eine Göttin des Olymp, geschwängert von einem schwächlichen Mann mit lächerlichen Flügeln.“ Ismael dachte er höre nicht recht, wieder wuchs Hass und Zorn in ihm, denn dieses Weibsstück wagte es, sein Kind in den Schmutz zu ziehen. „Ich fühle mich so beschmutzt, so unglaublich gedemütigt. Dein schändliches Gör wird in mir heranwachsen und dann die Welt besudeln“, fuhr sie mit ihrer Tirade der Beschimpfung fort. „Schweig!“, donnerte Ismael, „hör sofort auf, mein ungeborenes Kind zu beleidigen!“ „Oder was?“, spottete Aphrodite gehässig, „Wirst du mich dann töten?“ Sie lachte glockenklar und dieses Lachen schnitt in Ismaels Herz, denn er konnte ihr wirklich nichts antun, ohne sein eigen Fleisch und Blut zu verletzen. Er liess resigniert die Schultern hängen. „So ist es recht. Nun habe ich dich in der Hand. Wenn du ab sofort nicht tust, was ich sage, wird dein geliebter Spross niemals das Licht der Welt erblicken“, sprach Aphrodite und ihre gesamte Haltung strahlte Überheblichkeit aus und es wurde deutlich, dass sie es genoss, den Geflügelten mit ihren Worten zu geisseln. „Als erstes kümmerst du dich um das Mädchen. Ich will, dass du ihm sein Herz herausreisst, damit wir Daxicus ihren geschändeten Leichnam präsentieren können.“ Ismael zuckte unter diesem Befehl zusammen, als wäre er ein Peitschenhieb. Sein gesamtes Sein basierte auf dem Band, welches er zu Medamie gespannt hatte, und gleichzeitig war dieses Kind der einzige Nachwuchs, der jemals über die Erde wandeln würde. Schmerzerfüllt wandte er sich der bewusstlosen Assassinin zu und haderte mit sich selbst und seinem Schicksal. Wieso, Gott? Warum lässt du solches Leid zu? Welchen Nutzen hat dieser Wahnsinn? Ismael brach in Tränen aus, denn die Schwere dieser Entscheidung fühlte sich schwerer als die Welt an und er wünschte sich, er hätte diese Reise niemals angetreten. „Los! Reiss ihr das Herz heraus! Zeige mir, wie sehr du dein Kind liebst!“, hauchte Aphrodite ihm zärtlich und doch boshaft in sein Ohr. Ismael hob seine Schwerter, wankte, gefolgt von Aphrodite, auf Medamie zu und kniete sich mit stossbereiten Klingen vor sie hin. „Stoss zu!“, kreischte die Göttin und der gefallene Engel tat wie ihm befohlen. „Verzeiht mir, Medamie und Daxicus“, wisperte er, Bilder der beiden Gefährten blitzten durch seinen Geist und dann drangen seine Klingen in ihr Ziel ein, durchbohrten Fleisch und liessen Aphrodite lauthals Schreien. Es war ein Schrei des Entsetzens und der Überraschung, denn der Hampelmann hatte nicht das Mädchen, sondern sich selbst aufgespiesst und nun erstrahlte er in einem brennend klaren Licht, dessen Weisspektrum Aphrodite völlig neu war und in ihre Augen stach. Vor der perplexen Göttin erschienen zwei Gestalten, eine in weiss, die andere in schwarz, doch beiden mit den selben Konturen, beide unverkennbar Ismael. „Wie?“, keuchte sie, doch sie erhielt keine Antwort, sondern nur zwei Versprechen.

„Blut von meinem Blut“, sprach der weisse Ismael sanft und mit unverhohlener Freude in der Stimme, „ich werde dich geleiten und unterstützen. Ein liebevoller Vater sein, so weit es mir möglich ist.“
„Blut von meinem Blut“, grollte der schwarze Ismael mit wuterfüllten Augen, „ich werde dich schützen und nicht zulassen, dass deine Mutter dir etwas antun kann. Ein beschützender Vater sein, so weit es mir möglich ist.“

Aphrodite taumelte, als beide Ismaels in ihren Bauch eindrangen, der eine wie ein warmer Sonnenstrahl, Vorbote eines einsetzenden Frühlings, der andere wie eine reissende Messerklinge, Warnung an jeden unvorsichtigen Feind. Krämpfe schüttelten die Göttin und Schwäche zwang sie, sich hinzusetzen, eine Schwäche, die von ihrem ungeborenen Kind kam. Sie kniff die Augen zusammen, weil sich nun auch noch Schmerz dazugesellte, als die himmlisch christliche Magie auf die altgriechisch göttliche traf. Suchend glitten ihre Hände über den Boden, weitere Wellen der Pein liessen ihren Körper zusammen zucken, und sie ertastete einen spitze Stein, den sie packte. „Stirb, du Bastard, ich will dich nicht!“, kreischte sie und versuchte die Spitze des Steins in ihren Bauch zu bohren, doch nur schon der Gedanke daran liess einen schwarzen Bogen reiner Energie aus ihrem Unterleib schiessen, der sich mit mörderischer Geschwindigkeit in ihren Verstand brannte und höllische Qualen verursachte. „Blut von meinem Blut“, erklang eine ätherische Stimme und Aphrodite stöhnte entsetzt auf, da ihr klar wurde, dass sie diese verhasste Brut austragen musste. Ohne Medamie eines Blickes zu würdigen verliess die Göttin der Liebe den Ort ihrer schmählichen Niederlage und kehrte zum Olymp zurück. Die Assassinin hingegen war mit einer solchen Wucht gegen den Boden geknallt, dass ihr Kurzzeitgedächtnis darunter litt und nur ihrem Unterbewusstsein die Geschehnisse in Erinnerung blieben. Als sie erwachte, spürte sie als erstes den kühlenden Wind um ihren schmerzend brummenden Schädel und hatte Mühe sich zu orientieren. Was war geschehen? Wieso lag sie mit dröhnendem Kopf auf dem Boden? Wo waren Daxicus und Ismael? Sie versuchte sich zu erheben, doch aufkommender Schwindel und Übelkeit zwangen sie, liegen zu bleiben.

Und so harrte die Assassinin aus, bis sie sich wieder besser fühlte, nichts von all dem ahnend, was ihrem geliebten Krieger wiederfahren würde, dessen Schlacht noch bevor stand. Sie machte sich verwirrt, einsam und mit einem schweren Kopf auf den Weg ins Ungewisse, fühlte sich von allen im Stich gelassen und konnte doch nicht aufhören, an ihr Herz zu denken, welches irgendwo auf sie warten würde, daran glaubte sie mit fester Überzeugung.

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Der Mensch, mit seiner nahezu einzigartigen Fähigkeit, aus den Fehlern anderer zu lernen, ist ebenso einzigartig in seiner festen Weigerung, genau das zu tun.
- Douglas Adams

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