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Die Reisen des jungen Keylian
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Autor: Meren [ 24. Feb 2010, 19:16 ]
Betreff des Beitrags: Die Reisen des jungen Keylian

Kapitel 1

Keylian ging den einsamen, staubigen Feldweg entlang, versunken in seiner Trauer. Seine Füsse, die ihn einfachen Ledersandalen steckten, wirbelten den Dreck auf, etwas was ihn an sein zuhause denken liess. Er lachte freudlos auf, was war er für ein Angehöriger des Rodiq, wenn er beim Gedanken von Strassenstaub an den Tempel dachte, der jahrelang sein zuhause gewesen war? Aber es stimmte, jahrelang hatte er mit dem abgenutzten Reisigbesen, den weissen Klosterhof gefegt und den Schmutz genauso aufgewirbelt, wie es jetzt seine Füsse bei jedem Schritt taten. Er schniefte leise und blickte auf. Die Sonne war schon ein Stück weit über den Himmel gewandert und neigte sich nun langsam wieder dem Horizont zu, die orange glühende Scheibe erinnerte ihn an die Augen seiner Mitschüler beim Training… Gequält stöhnte er an die anstrengende, aber wunderschöne Zeit, auf.

Die Sonne war schon fast hinter dem Horizont versunken, als Keylian endlich eines der Reisehäuser erreichte, die sein Orden überall auf dem Weg aufgestellt und gewartet hatte. Reisehäuser waren meist kleine, fensterlose Holzhütten, die nicht viel mehr als eine Feuerstelle enthielten. Sie dienten als Regen- und Windschutz für Reisende von und zum Tempel des Rodiq. Er trat durch die kleine, niedrige Holztür, in das muffige Innere.

Glücklicherweise hatte man vor kurzem dieses Reisehaus aufgefüllt und so fand Keylian relativ schnell trockenes Holz und Späne und ein Feuer war damit relativ schnell entfacht. Die Flammen prasselten munter in der Stille und vertrieben die Dunkelheit aus dem kleinen Raum, der mit trockenem Stroh bedeckt war, mit Ausnahme flackernder Schatten die an die Holzwand geworfen wurde. Verträumt betrachtete er die schwarzen Gestalten, die an die Wand geworfen wurde und dachte daran, wie er als ganz kleiner Junge, als ihn noch das Heimweh geplagt hatte, zu seinem damaligen Novizenmeister gegangen hatte und dieser ihm dann die Legende von den flackernden Geistern der Liebsten erzählt hatte. Nach dieser Legende ist ein Teil von den Menschen, die einen wirklich lieben immer bei einem und zeigten sich, wenn man auf die Schatten der Flammen schaut. Diese Geschichte hatte ihn schon als kleiner Junge immer beruhigt, sie tat es auch noch heute und machte die Leere, die sich nun langsam in ihm ausbreitete. Fragen begannen ihn zu quälen. Was sollte er jetzt tun? Er war immer noch ein Novize, hatte noch kein Geschenk von Rodiq erhalten, nicht das er wehrlos gewesen wäre, aber als Novize würde er es schwierig haben, zumal er jetzt nicht mehr einfach in irgendeinen anderen Orden gehen konnte. Fragen über Fragen und nirgendwo eine Antwort, er seufzte leise und wickelte sich in die Decke, die er in seiner zerschlissenen Ledertasche und nahm dann seinen wichtigsten Besitz hervor Es war ein dickes Buch, gebunden in blassrotes Leder auf dessen Einband mit Brenneisen die Buchstaben „Die Lehre des Kampfes“ eingebrannt waren. Wie jedes Mal wenn Keylian dieses Buch hervor nahm, um es zu studieren, erfüllte ihn eine fast andächtige Ehrfurcht und Ruhe. Seine Sorgen fielen von ihm ab, so wie man einen Umhang auszog, der nass vom Platzregen war und zurück blieb ein junger Mann, der bereit war, die weisen Worte, die auf den vergilbten, dicken Seiten standen, aufzunehmen und zu lernen, auf dass sie ihm irgendwann einmal in seinem Leben den Weg weisen würden. Seine Finger zitterten leicht, als er den Einschlag aufklappte und seine grünen Augen auf die erste Seite richtete, die jeder Mönch und jeder Novize angehalten war zu lesen, bevor er das Studium im Buch fortsetzte.

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